René HIrschi

Alternativ leben in der Gemeinschaft

René Hirschi lebt mit seiner Familie in der Gemeinschaft «Herzfeld Sennrüti» in Degersheim. Er erzählt vom Alltag im «Ecovillage», in der jung und alt ihren Beitrag leisten: Als Koch oder Köchin, in der Haustechnik, als Kommunikationsverantwortliche oder im Permakulturgarten.

Aus welcher Motivation heraus habt ihr die Lebensgemeinschaft gegründet?

René Hirschi: Wir waren damals im 2006 ein paar Familien mit kleinen Kindern, die nach Ideen suchten, um uns im Alltag gegenseitig zu entlasten. Zum Beispiel bei der Kinderbetreuung. Uns beflügelte die Vision, eine in allen Bereichen – ökologisch, ökonomisch, sozial und kulturell – nachhaltige Lebensform miteinander aufzubauen. Im 2009 haben wir mit dem ehemaligen Kurhaus schliesslich die perfekte Liegenschaft gefunden. Mit der Zeit ist unser Projekt gewachsen: Heute wohnen rund 30 Erwachsene und 30 Kinder in der Mehrgenerationengemeinschaft.

Wie kann man sich das Zusammenleben vorstellen?

Es gibt verschiedene Ebenen. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind primär für ihr eigenes Leben verantwortlich: Sie gehen arbeiten, haben ihre eigene Mietwohnung und entscheiden, wo die Kinder zur Schule gehen. Auf der Gemeinschaftsebene organisieren wir einen täglichen Morgenkreis, wo teilnehmen kann, wer möchte. Dann gibt es unter der Woche ein Mittagessen, an den Abenden besprechen wir Themen, die uns beschäftigen.

Muss man überall mitmachen?

Man muss nicht, man kann. Einzig an unseren Versammlungen am Donnerstagabend sollte man dabei sein, denn da besprechen wir wichtige Themen. Zum Beispiel Projektideen, Konflikte, Entscheidungen oder die Aufnahme neuer Mitglieder.

Sind auch ältere Menschen in der Gemeinschaft?

Ja, wir haben bereits einige Pensionierte in der Gemeinschaft. Sie engagieren sich stark in der Gemeinschaft und kochen beispielsweise das Mittagessen oder hüten die Kinder der Berufstätigen.

Isst die Community gemeinsam?

Wer am Mittagstisch essen möchte, trägt sich einfach in die Liste ein und bekommt am Schluss des Monats eine Rechnung. Alle haben aber auch ihre eigenen Küchen. Während der Saison versorgen wir uns weitgehend selbst aus unserem Permakulturgarten und erhalten zusätzliches Gemüse vom Biobauern im Dorf.

Was ist die Bedingung, um aufgenommen zu werden?

Wir schauen bei der Aufnahme neuer Mitglieder schon, was das Individuum zur Gemeinschaft beitragen kann. Die Bedingung ist, dass man sich in mindestens einer Arbeitsgruppe engagiert: Es gibt eine, die den Gemeinschaftsgeist entwickelt, eine für Technik und Unterhalt, eine dritte pflegt den Permakulturgarten und eine vierte ist für den Kontakt nach aussen verantwortlich.

Wie viele solche Dörfer gibt es in der Schweiz?

Das Global Ecovillage Network ist ein weltumspannendes Netzwerk. In der Schweiz sind wir seit vier Jahren im Global Ecovillage Network Suisse (GEN Suisse) organisiert. Der Verband besteht aus rund 20 Mitgliedern, das heisst: ähnlichen Gemeinschaftsprojekten.

www.sennrueti.ch

Zu Besuch in Degersheim
Rhea Braunwalder hat das Herzfeld Sennrüti besucht und berichtet im Artikel über ihre Erlebnisse in der nicht ganz alltäglichen Lebensgemeinschaft im st.gallischen Degersheim.

Interview: Anina Torrado Lara
Foto: Anna-Tina Eberhard

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