Buchtipp: Demenz in der Gesellschaft

In der Schweiz leben derzeit 110’000 Menschen mit Demenz. Bis 2060 wird ein Anstieg auf knapp 300’000 erwartet. Wie wird die Gemeinschaft dafür sorgen, dass an Demenz erkrankte Menschen ein besseres Leben führen?

«Sorge-Figuration» heisst der Begriff, über den sich die Universität Zürich in einem Forschungsprojekt rund um Menschen mit Demenz Gedanken macht. Dabei geht es darum, wie an Demenz erkrankte Menschen in Netzwerke und weitere Unterstützungsarrangements eingebunden werden können.

Demographie zwingt zu Massnahmen
Aus einer Alltags- und Akteursperspektive heraus möchten die Forscherinnen und Forscher rund um Prof. Dr. Harm-Peer Zimmermann einerseits die «Ressourcen des sozialen Miteinanders» in der positiven Gestaltung der Sorge um Demenz würdigen und andererseits den öffentlichen Diskurs über die «apokalyptische Demographie» eröffnen. Laut den Forschern werde die zunehmende Verbreitung von Demenz zur «katastrophalen Problematik», über die sich die Gesellschaft dringend Gedanken machen müsse. Zimmermann schreibt: «Das Ziel des Forschungsprojekts ist es, zu einer Sorgekultur beizutragen, die ihre Aktivitäten für Menschen mit Demenz auch als Bereicherung und Gewinn erfährt. Das gilt einerseits für die unmittelbar sorgenden Personen, und andererseits auch für einen sorgsamen öffentlichen Umgang mit Demenz.»

Buch über «Sorge-Figuration»
Zimmermann hat im 2017 ein Buch zu «Kulturen der Sorge. Wie unsere Gesellschaft ein Leben mit Demenz ermöglichen kann» publiziert. Das Buch wirkt der landläufigen Meinung, dass Demenz meist mit einem Verlust der Persönlichkeit einhergeht, entgegen. Dieser Band zeigt das Gegenteil: Menschen mit Demenz sind selbstverantwortlich handelnde Persönlichkeiten, und sie haben eine Stimme, die gehört werden sollte. Was berichten sie über ihre Erfahrungen und Gefühle? Wie deuten, gestalten und organisieren sie ihren Alltag? Aber auch: Wie reagiert das Umfeld? Welche Netzwerke der Selbsthilfe und Sorge bilden sich infolge einer Demenzdiagnose? Der Sammelband ist für Caring Communities in diesem Bereich eine spannende Arbeitshilfe und kann über den Campus Verlag erworben werden.

Zum Autor
Harm-Peer Zimmermann ist Ordinarius für Populäre Kulturen mit dem Schwerpunkt Populäre Literaturen und Medien am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) der Universität Zürich. Zum Kontakt.

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