Coworking schweisst zusammen

Der Effinger am Rande der Berner Altstadt ist eine «Kaffeebar und ein Coworking-Space für Jungunternehmer, Kreative, Handwerkerinnen, Weltveränderer, Bernerinnen, Zugereiste, Kaffeeliebhaberinnen, Biertrinker, Kulturschaffende, junge Kunst und für dich» heisst es auf der Webseite. Eine neue Variante einer Caring Community?

Autorin: Anina Torrado Lara
Foto: Roland Juker, Effinger

Coworken liegt im Trend. Immer mehr Menschen arbeiten an einem sogenannten «Third Place» – einem Arbeitsplatz, der weder beim Arbeitgeber noch zu Hause angesiedelt ist. In Coworking-Spaces, die landauf landab aus dem Boden schiessen, treffen Menschen aufeinander, die ortsunabhängig arbeiten können und sich über die Berufsgrenzen hinweg austauschen.

Eine Heimat für Remote-Worker

Wer im Effinger arbeiten will, kann sich einen Arbeitsplatz mieten: tage- oder monatsweise, als Stempelkarte oder in Form eines festen Arbeitsplatzes. Es läuft gut in der Kaffeebar, dem darüber liegenden Coworking-Space und dem Kreativatelier: An manchen Tagen geht es zu und her wie in einem Bienenstock. Denn an die Effingerstrasse 10 in Bern strömen die Remote-Worker nicht nur wegen der guten Infrastruktur und dem Cappuccino, sondern auch wegen der Community, die für sie eine Art «Heimat» bedeutet.

Die «Effinger Community Member» engagieren sich für die Gemeinschaft.

Die Community besteht aus über 90 Mitgliedern. Wer zum «Effinger Community Member» werden will, zahlt einen Mitgliederbeitrag (250 Franken im ersten Jahr, danach ein Beitrag nach Wahl, der sich «richtig anfühlt») und engagiert sich nach eigenen Möglichkeiten für die Gemeinschaft. Was das genau bedeutet, bleibt offen. Gläser abwaschen? Einen TED-Talk organisieren? Den Hund des gestressten Jungunternehmers über Mittag ausführen? Jede und jeder tut, was er oder sie kann.

Alle Kriterien einer Caring Community

«Der Effinger erfüllt für mich alle Kriterien einer Caring Community: Es gibt eine Vision, Werte und Grundsätze, die Teilnehmenden unterstützen sich gegenseitig und die Gemeinschaft organisiert sich selber», sagt Robert Sempach, Spezialist für Caring Communities beim Migros-Kulturprozent.

Der Betrieb ist durch 26 Jungunternehmer/innen sichergestellt, die Teil- oder Vollzeit vom Effinger aus arbeiten.

Auf der Suche nach einer Heimat

Die Idee für den Effinger wurde 2014 geboren: Domenica und Salome treffen auf Marco und Matthias. Sie alle träumen von einem Café mit Arbeitsplätzen. Zuerst probieren sie verschiedene Standorte aus und machen ihre Erfahrungen. 2015 werden sie schliesslich an der Effingerstrasse 10 fündig und investieren mit einem Crowdfunding in die Infrastruktur.

Heute ist der Effinger als Verein organisiert und arbeitet nicht gewinnorientiert. Derzeit 26 Jungunternehmer/innen sind gemeinsam für den Betrieb verantwortlich – und setzen auch hier auf den Community-Gedanken: Es gibt keine Hierarchien, die Verantwortung wird geteilt.

Das Modell scheint gut zu funktionieren und den Zeitgeist zu treffen. «Wir sind überzeugt, dass es in der Arbeitswelt neue Organisationsformen braucht. Deshalb haben wir in zehn Grundsätzen festgehalten, wie wir zusammen arbeiten und leben wollen», schreibt Effinger auf der Webseite.

Coworking ausprobieren?
Wer eine neue «Heimat» sucht, kann den Effinger erstmals probeweise erleben: Ein Tagespass kostet 30 Franken. Mitglieder der «Effinger Community» zahlen einen Mitgliederbeitrag von 250 Franken im ersten Jahr, danach einen selbstgewählten Beitrag zwischen 1 und 500 Franken.

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