Das Zürcher Seebach-Quartier trifft sich auf der «HANS BANK»

Autorin: Anina Torrado Lara
Fotos: zVg

Die Frage beschäftigt wohl viele Gemeinden und Städte in der Schweiz: Wie kann sich in einem Quartier eine «Care-Kultur» etablieren? Das Quartier Seebach am Stadtrand von Zürich hat mit dem «Bankbau-Fest» einen Weg gefunden, wie Menschen zusammenrücken, wenn sie ein gemeinsames Anliegen haben.

Die Stimmung ist heiter an diesem 22. August 2020 auf dem Seebacher Platz: Dutzende Quartierbewohnerinnen und -bewohner haben sich versammelt, um Holzbänke zusammenzubauen. Geliefert wurde das Material und die Anleitung von «About Us! Zürich Interkulturell» (about-us.ch). Gross und klein helfen einander und lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Das Resultat: 37 individuelle, bunt bemalte Sitzbänke. Am frühen Abend machen sich die Menschen auf, um die Bänke vor ihren Häusern aufzustellen.

Ganz Seebach trifft sich, um Holzbänke zu bauen und sie farbig zu bemalen.

Das Anliegen: zusammen auf der Bank sitzen

Die Seebacherinnen und Seebacher setzen mit ihrer Aktion, die sich HANS BANK nennt, ein Zeichen für das Näherrücken, die Zusammengehörigkeit im Quartier. Der Name der Aktion ist Plan: Wie «Hans Dampf» sind die Bänke «in allen Gassen» anzutreffen und laden dazu ein, sich zu setzen und den Austausch zu suchen.  

Marianne Reiser von der katholischen Kirche Maria Lourdes Seebach – eine von 12 Projektträger/innen – ist begeistert vom Engagement der Quartierbewohnerinnen und -bewohner: «Wir möchten in unserem Quartier eine Care-Kultur fördern und sichtbar machen.» Das sei mit dem Projekt HANS BANK sehr gut gelungen. «Menschen aus ganz unterschiedlichen Welten und jeglichen Alters kamen zusammen, um zu spielen, zu singen, einen Apéro zu trinken, zu debattieren oder bei Kaffee und Kuchen mit ihren Nachbarinnen und Nachbarn zu plaudern.» Dies sei gelebte Care-Kultur, denn es wirke gegen die Anonymität und führe dazu, dass sich alle im Quartier als Teil eines grösseren Ganzen wahrnehmen und ihre Bedeutsamkeit erfahren.

Quartierbewohnerinnen beim Austausch auf der HANS BANK.

Sandbank, Banco dei Vicini oder Gedichtbank

Am 5. September 2020 wurden die Bänke offiziell eingeweiht. Auf zwei Spaziergängen, die an insgesamt 17 Standorte führten, konnten die kreativ verzierten Bänke bestaunt werden. Einer der Spaziergänge führte von der «Sandbank», wo mitten auf der Tramhaltestelle Sandburgen gebaut wurden, über die Bank «dei Vicini», wo mit Prosecco auf die Nachbarschaft angestossen wurde, bis zur «Gedichtbank». Verliebte verweilten dort und lasen sich Gedichte vor. In der Quartierscheune spielten schliesslich zwei Alphornbläser auf.

Care-Kultur in Zürich Seebach

Die Idee für HANS BANK stammt von «About Us! Zürich Interkulturell» (about-us.ch). Die Organisation realisiert im Auftrag der Stadt Zürich jeweils im September interkulturelle Programmwochen, bei denen mit künstlerischen Projekten und soziokulturellen Aktivitäten die Diversität der Stadt Zürich aufgezeigt wird. About Us! Zürich Interkulturell war im September 2020 zu Besuch in Seebach und stellte einen Baukasten und das Material für die Sitzbänke kostenlos zur Verfügung.

Bei HANS BANK in Seebach waren folgende Vereine und Organisationen mit dabei: Verein Internationalhof & MAXIM Theater, Verein Zusammenleben Kolbenacker, Trägerverein Quartierscheune Frohbühl, Pfarrei Maria Lourdes & Werkstatt achzg52, GZ Seebach/ Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren, Stiftung islamische Jugend, Eltern Schulhaus Himmeri & Schulhaus Himmeri, Reformierte Kirche Zürich Kirchenkreis Elf, Verein Stadtgeiss, VSJF Familientandem, claro Weltladen Seebach, Quartierbeiz «Da Zi Mauri» und viele freiwillige Helfer*innen.

Ähnliche Projekte gibt es auch anderen Orten, beispielsweise in den Niederlanden.

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