In Würde altern – das Gundeli als Caring Community

Frau Frank, bitte beschreiben Sie Ihre Caring Community.
Gabriele Frank: «In Würde altern» ist ein Pilotprojekt der Quartierkoordination Gundeldingen und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Es geht um die generationsübergreifende Gestaltung von möglichst niederschwelligen, situationsgerechten und wertschätzenden, unterstützenden Angeboten für alle Stufen des Alters, insbesondere auch für hochbetagte Menschen.

Es geht um die Sensibilisierung der Quartierbewohnenden für eine neue Haltung im Zusammenleben der Generationen: Alle übernehmen gemeinsam Verantwortung für soziale Aufgaben, helfen einander und sorgen füreinander. Das Ziel ist eine Gemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig im Quartier unterstützen. Diese Ziele werden über die Förderung von Beziehungen und Begegnungen, Eigeninitiative und Selbstorganisation und die interprofessionelle Zusammenarbeit erreicht.

Wir stellen uns diese Fragen:

  • Wer sind die älteren Menschen im Quartier und wo wohnen sie?
  • Ihre Lebenslage: was bewegt sie und die anderen Quartiersbewohnenden?
  • Was sind ihre Wünsche und Bedürfnisse, was fehlt?
  • Welche Stress- und Stärkungsfaktoren spielen eine Rolle? Was bereitet den Menschen Sorge, Sinn oder Freude?

Was hat Ihnen beim Aufbau von «In Würde altern» besondere Freude bereitet?
Die grosse Resonanz und das wunderbare Echo aus dem Quartier auf alle Ideen und Aktivitäten. Freiwillige haben uns sofort ihre Mitarbeit angeboten. Die Offenheit, mit der sich die Menschen begegnen und austauschen konnten, war berührend. Es hat uns darin bestärkt, weiterhin mit unserer Erfahrung im Alltag das Netzwerken fortzuführen. Das lebendige Miteinander, die respektvolle Arbeit in der Steuer- und Kerngruppe motivieren uns alle und geben uns ein Gefühl der Zuversicht in diesen herausfordernden Zeiten.

Wie hat sich die Caring Community auf das Zusammenleben ausgewirkt?

Wichtig finde ich, dass eine Caring Community nicht einfach ein Projekt ist, das «ausgedacht» und in Formate gegossen werden kann. Die Idee einer Caring Community erfordert eine wertschätzende Grundhaltung, Achtsamkeit und Toleranz. Wir konnten mit unserer Arbeit bestehende Netzwerke und Angebote verbinden, Beziehungen und Begegnungen schaffen, die Eigeninitiative und Selbstorganisation fördern und die Bevölkerung partizipativ einbeziehen. Schön fand ich zu sehen, dass das Miteinander das Vertrauen stärkte und den Blick auf die Möglichkeiten und nicht auf die Begrenzungen richtete.

Wer hat von Ihrer Caring Community profitiert?
Gewonnen haben die Quartierbevölkerung und die verschiedenen Trägervereine der Quartierkoordination. Die Ressourcen im Quartier konnten viel besser genutzt werden und wir konnten die Menschen mit ihren Kompetenzen besser in die Quartierarbeit einbinden. So konnten wir auch das Empowerment stärken und jede und jeden mit den individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten sichtbar machen. Alle, die mitmachen, zeigen Freude daran, kreativ miteinander Visionen zu entwickeln, mutig Neues zu wagen und damit unsere sorgende Gemeinschaft zu stärken.

Wir konnten ausserdem unser Netzwerk erweitern und bestehende Netzwerke miteinander verbinden. Wir waren während des gesamten ersten Lockdown im Frühling 2020 sichtbar (vgl. Poster der Schaufensteraktivitäten) – und das sind wir auch im zweiten Lockdown.

Welches sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Wir haben gelernt, dass eine Caring Community basiert auf:

  • auf einem interdisziplinärem Verständnis
  • einer Public-Private-Partnership
  • Eigenverantwortung und geteilter Verantwortung
  • einer Haltung der Wertschätzung
  • fliessenden Grenzen zwischen öffentlichem Raum und Privatsphäre

Entscheidend ist, dass Eigeninitiative und Selbstorganisation gefördert werden und die Zielgruppe einbezogen wird. Dann muss die Partizipation gewollt sein und Raum bekommen, das heisst, bottom-up statt top-down als Grundhaltung verankern.

Die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe sind abzurufen und in einer wertschätzenden Haltung gemeinsam auf eine mögliche Verbesserung der Lebensqualität auf eine Umsetzung hin zu überprüfen. Nicht die Professionellen wissen, was benötigt wird, sondern die Betroffenen schauen auf Augenhöhe gemeinsam auf nötige Veränderungen. So werden Beziehungen gefördert und bestehende Netzwerke und Angebote können verbunden und erweitert werden.

Was sind die nächsten Schritte?

  • Die zweite Weiterbildung von Moderatorinnen im Quartier mit dem Titel «wir sind, was wir erzählen» konnte im Januar 2021 trotz Corona per Zoom starten. Das Netzwerk wird weiter ausgebaut, so konnte z.B. auch ein Brückenschlag nach Thun erfolgen, wo drei zukünftige Moderatorinnen die Caring Community im Projekt «und» bereichern.
  • Methode Photovoice: Ein pfannenfertiges Konzept für das Projekt Photovoice wurde in 2020 erarbeitet und konnte bedingt durch Corona noch nicht umgesetzt werden. Unter dem Motto «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» halten ältere Menschen im Gundeli ihre eigene Lebenswelt, ihre Sicht auf ihr Quartier, das Gundeli, fest. Dabei werden sie von anderen älteren Menschen mit fotografischen Kenntnissen begleitet. Das Projekt soll 2021 mit einer Ausstellung und evtl. einem Podium im Quartier präsentiert werden.
  • Schreibaufruf: Wir haben uns mit dem Projekt «achtsamer achter» in Wien verlinkt und einen Schreibaufruf zum Thema «Care und Corona» in der Gundeldinger Zeitung lanciert.
  • Vernetzung – Caring Community: In Kooperation mit der Gundeldinger Zeitung bleiben wir sichtbar und informieren die Quartierbevölkerung über unterstützende Angeboten unserer Trägervereine. Gleichzeitig unterstützen wir die Menschen niederschwellig im direkten Kontakt.

Informationen

Projektstart

2019

Kontaktperson

Gabriele Frank

Einzugsgebiet

4053 Basel

Region

Nordwestschweiz

Themen

Integration, Inklusion und Chancengleichheit, Kultur des Teilens, Unterstützung im Alltag, Voneinander lernen, Zusammenleben, Nachbarschaft

Organisation / Trägerschaft

Quartierkoordination Gundeldingen

info@gundeli-koordination.ch

061 331 08 83

www.gundeli-koordination.ch

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