Projekt tram-dem

Worum geht es bei Ihrer Caring Community (CC)?
Brigitte Nicholson: Es geht ums Geben und Nehmen. Mit dem Projekt «tram-dem» bringt der Verein beratungsnetz Menschen zusammen, die sich gegenseitig unterstützen, zum Beispiel beim Tram- oder Busfahren. Freiwillige stellen Begleitungen, Begegnungen und Zeit zur Verfügung und erhalten im Gegenzug neue Kontakte, lernen eine Sprache oder die lokale Kultur kennen. Es soll ein Geben und Nehmen sein.

Was macht Ihnen besondere Freude?
Wir haben gesehen, wie viele Menschen bereit sind, anderen mit ihrer Hilfe eine Freude zu bereiten. Mit tram-dem haben wir viele Freiwillige kennengelernt, die sehr gute Ideen eingebracht haben. Daraus konnten wir lernen und Neues entstehen lassen. Dann haben wir auch gelernt, dass es viele Dienstleister und Organisationen in der Stadt Basel gibt, die ein Start-up wie tram-dem unterstützen – sei es mit Wissen oder Geld, aber auch mit «Forderungen». Letztere fordern uns im positiven Sinne dazu auf, noch tiefer in die Materie einzusteigen.

Wie hat sich tram-dem aufs Zusammenleben in Basel ausgewirkt?
Wir haben viele Menschen kennengelernt und mit ihnen die Herausforderungen im familiären Umfeld, zum Beispiel mit heranwachsenden Kindern und älteren Generationen, thematisiert. In der heutigen, schwierigen Zeit (Covid-19) ist es sehr wichtig, in der direkten Nachbarschaft nach Hilfe zu fragen und diese auch anzunehmen.

Bei den telefonischen Anfragen von Senior*innen wurde die Einsamkeit und das Gefühl, selber nicht mehr nützlich zu sein, deutlich spürbar. Unsere freiwilligen Begleiter*innen können diese Melancholie und kurzzeitig auch die Einsamkeit etwas lindern. Sie kommunizieren in der Sprache der jeweiligen Person – auch mal in Zeichensprache und schaffen Erlebnisse wie zum Beispiel ein Nachmittag beim Jassen oder ein Einkaufsbummel durch die Stadt.

Ich finde es auch berührend, wieviele Freiwillige nachfragen, wenn sich die betagte Person länger nicht gemeldet hat und sie um deren Wohlergehen besorgt sind.

Wer profitiert von tram-dem?
In erster Linie sind das die Personen, die Begleitung brauchen. Langsam aber sicher wagen immer mehr Menschen, Hilfe bei tram-dem zu suchen. Die Pandemie verlangsamt unsere Anfragen trotzdem, da die Devise «wenig Menschen treffen» und die Angst vor einer Ansteckung allgegenwärtig sind, vor allem bei den Senior*innen. Die Freiwilligen, die sich einbringen können und begeistert sind, wollen sich weiterhin einsetzen. Sie sagen mir immer wieder, wieviel Freude es macht, helfen zu können.

Was würden sie anderen Caring Communities raten?
Eine wichtige Erkenntnis ist, dass es gar nicht so einfach ist, mit dem Angebot in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Viele sind der Werbung überdrüssig.

Eine weitere Erkenntnis ist auch, dass viele Menschen, die Hilfe nötig hätten, noch nicht über Facebook oder andere soziale Medien erreichbar sind. Zudem ist die Bereitschaft zu helfen rasch mal ausgesprochen. Es schrecken dann aber viele davor zurück, ein Zugeständnis und eine gewisse Verpflichtung einzugehen.

Ich würde dazu raten, eine klare Haltung einzunehmen und die Rahmenbedingungen für die Freiwilligen und Hilfesuchenden zu diskutieren. Beide Parteien müssen sich bewusst sein, was sie anbieten wollen und wo die Grenzen des Machbaren liegen.

Was steht als Nächstens an?
Wir wollen unsere Angebote ausbauen. Neben Begleitungen und sozialer Teilhabe könnte eine ältere Person zum Beispiel auch für eine jüngere kochen. Im Gegenzug wird die ältere Person begleitet oder an eine Veranstaltung mitgenommen.

Interessante Tandems wären auch, wenn eine Seniorin einen Freiwilligen beim Deutschlernen unterstützt und dafür Begleitung und sozialen Austausch erhält. Wir haben viele fremdsprachige Expats in Basel, die sich auch sehr für die lokale Geschichte und Bräuche in der Schweiz interessieren. Das Tandem kann dann wunderbar in Erinnerungen schwelgen und sich aus der Heimat erzählen. So gewinnen beide: Die Expats fühlen sich in der neuen Heimat wohl, die Senior*innen lernen etwas Neues, fühlen sich gebraucht und erhalten Abwechslung im Alltag.

Informationen

Einzugsgebiet

Region Basel

Region

Nordwestschweiz

Themen

Unterstützung im Alltag

Organisation / Trägerschaft

Verein beratungsnetz

info@beratungsnetz-basel.ch

www.beratungsnetz-basel.ch

Zeen is a next generation WordPress theme. It’s powerful, beautifully designed and comes with everything you need to engage your visitors and increase conversions.