Wie will ich im Alter leben?

Wie man sich bettet, so liegt man, heisst es im Volksmund. Das gilt laut Antonia Jann teilweise auch für den dritten Lebensabschnitt. Die Geschäftsführerin der Age-Stiftung kennt viele Beispiele aus dem In- und Ausland, bei denen Menschen ihr Älterwerden gemeinsam mit anderen gestalten.

Frau Jann, Sie haben an der Netzwerktagung vom Ashby Village in Berkeley CA berichtet. Was macht diese Caring Community aus?

Antonia Jann: Das Ashby Village ist eine Non-Profit-Organisation, die Menschen in einem ganzen Stadtteil miteinander verbindet. Die Gruppe stellt jeweils ein Monatsprogramm für die Mitglieder zusammen, ein Community Manager hilft bei Bedarf. Das Ziel ist, dass die älteren Menschen dank Yoga, Schwimmen oder Kochen aktiv, unabhängig und gesellig bleiben. Besonders ist auch, dass das Ashby Village ein funktionierendes Ökosystem aus Freiwilligen, Professionellen, Institutionen und lokalen Dienstleistern ist.

Gibt es in der Schweiz ähnliche Wohnformen?

Das ist ja eigentlich keine Wohnform, die Leute leben in ihren privaten Häusern. Es ist eher eine Initiative, die hilft, den Alltag zu gestalten oder zu bewältigen. In Zürich hat eine Gruppe des Vereins queerAltern* schon gegen Ende des Arbeitslebens beschlossen: Wir nehmen unsere Lebensform im Alter in die Hand, solange wir noch können. So haben wir die Chance, dass wir uns gut mögen, uns kennen und Lust haben, miteinander alt zu werden.

Wie finden Menschen Anschluss, die nicht so der WG-Typ sind?

Man muss nicht gleich in eine WG ziehen, um einer Community anzugehören. Immer mehr Gemeinden rüsten auf. So hat Horgen mit drei Mitarbeiterinnen eine Siedlungs- und Wohnassistenz aufgebaut. Die «Assistentinnen» besuchen die älteren Menschen bei Bedarf zu Hause, organisieren Unterstützungsnetzwerke durch Nachbarn oder Freiwillige, organisieren gesellige Anlässe und helfen den Seniorinnen und Senioren, möglichst lange unabhängig zu leben.

*Queer ist ein Oberbegriff für alle Menschen der LGBT-Community. LGBT heisst «Lesbians, Gays, Bisexuals, Transgenders». In den letzten Jahren kursierten vermehrt auch die Begriffe LGBTI (+Intersexuals) und LGBTQ (+Queers).

Interview: Anina Torrado Lara
Foto: Anna-Tina Eberhard

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