Wie finden Caring Communities neue Freiwillige?
25.08.2026
Am 25. August 2026 leitete Christian Schefer von Karma Lama den Online-Stammtisch zur Frage, wie Caring Communities neue Freiwillige finden und langfristig begleiten können. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden die Bedeutung des freiwilligen Engagements, aktuelle Herausforderungen sowie das Potenzial digitaler Plattformen und Tools.
Für viele Caring Communities ist freiwilliges Engagement unverzichtbar. Es ergänzt die Arbeit bezahlter Fachpersonen und ist gesellschaftlich wie politisch von grosser Bedeutung. Gleichzeitig braucht es eine klare Rollenverteilung: Professionelle übernehmen häufig die Koordination und Begleitung, während Freiwillige ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihre persönlichen Beziehungen einbringen.
Beispiele aus der Praxis zeigen unterschiedliche Ausgangslagen
- Beim Freiwilligennetz Grüningen engagieren sich knapp 20 Personen in der generationenübergreifenden Nachbarschaftshilfe. Aktuell ist es teilweise einfacher, Freiwillige zu finden als Menschen, die Unterstützung suchen. Tandems entstehen häufig über die Spitex, da diese nahe bei der unterstützungsbedürftigen Bevölkerung ist.
- Alterszentren möchten sich stärker mit dem Quartier verbinden. Dabei stellt sich die Frage, wie sowohl Menschen aus dem Quartier als auch rüstige Bewohner:innen erreicht werden können, die sich selbst engagieren möchten.
- Das Haus pour Bienne arbeitet mit rund 100 Freiwilligen und einer professionellen Koordinationsstelle. Es gibt sogar eine Warteliste von Menschen, die sich engagieren möchten.
Freiwilligenarbeit ist Beziehungsarbeit
- Ein passendes Engagement entsteht auf persönlicher Ebene. Freiwillige möchten wählen können, mit wem und in welchem Bereich sie sich engagieren. Gleichzeitig braucht der Aufbau tragfähiger Beziehungen Zeit.
- Erstgespräche helfen dabei, Erwartungen, Interessen und verfügbare Ressourcen zu klären: Was möchte jemand tun und wie viel kann die Person einbringen?
- Eine sorgfältige Einführung und Begleitung sind wichtig – insbesondere bei anspruchsvollen Aufgaben wie der Begleitung von Menschen mit Demenz.
- Freiwillige müssen wissen, an wen sie sich bei Fragen oder Schwierigkeiten wenden können. Koordinator:innen spielen dabei eine zentrale Rolle.
- Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, ein Engagement jederzeit wieder beenden zu können.
- Manche Menschen suchen bewusst eine Aufgabe, die ihrem Alltag Sinn und Struktur gibt. Andere bevorzugen spontane oder einmalige Einsätze.
- Die Anforderungen an Freiwillige dürfen nicht so hoch sein, dass für die Aufgabe eigentlich eine Fachperson nötig wäre. Gleichzeitig gilt es, die unterstützten Menschen zu schützen. Beim Aufnahmeprozess besteht deshalb ein Spannungsfeld zwischen sorgfältiger Abklärung und einem möglichst niederschwelligen Einstieg.
Unterschiedliche Formen des Engagements ermöglichen
- Während Organisationen häufig langfristige und regelmässige Engagements suchen, wünschen sich Freiwillige zunehmend flexible und spontane Einsätze.
- Caring Communities sollten deshalb unterschiedliche Zugänge ermöglichen, z.B. einmalige, spontane wie auch längerfristige Engagements, unterschiedlich intensive und anspruchsvolle Aufgaben, diverse Themenfelder, niederschwellige Anmeldemöglichkeiten (beispielsweise über WhatsApp), gemeinsame Einführungsveranstaltungen für mehrere neue Freiwillige.
- Eine Idee ist auch, erfahrene Freiwillige für Erstgespräche mit potenziellen Freiwilligen einzubinden.
- In Luzern ist mit einem neuen Freiwilligennetzwerk eine zentrale Intake-Stelle im Gespräch, die das Onboarding neuer Freiwilliger organisationsübergreifend koordinieren könnte.
Wo digitale Plattformen an Grenzen stossen
- Digitale Plattformen können dabei helfen, Engagements regional einzugrenzen, Informationen bereitzustellen und erste Abklärungen vorzunehmen. Gerade für Caring Communities ist der lokale Bezug jedoch zentral.
- Freiwilligenarbeit bleibt Beziehungsarbeit. Anonyme digitale Dienstleistungen stossen deshalb schnell an Grenzen. Menschen müssen sich kennenlernen, Vertrauen aufbauen und herausfinden, ob ein Engagement für beide Seiten passt. Digitale Tools können diesen Prozess unterstützen, aber nicht ersetzen.
Wir suchen weitere Gastgeber:innen für einen Stammtisch
Der Stammtisch ist ein Format im Netzwerk Caring Communities, das in regelmässigen Abständen stattfindet – in der Regel als Online-Stammtisch. Haben Sie ein Thema, das Sie mit anderen Personen diskutieren möchten? Dann melden Sie sich bei Fanni Dahinden. Wir unterstützen Sie dabei, stellen die Technik sicher und bewerben den Stammtisch. Sie sind Gastgeber:in, alleine, zu zweit oder zu dritt, Sie wählen ein Thema und auch Termin und Zeit. Und vielleicht überlegen Sie sich eine Einstiegsfrage. Die Erfahrung zeigt, dass an einem Stammtisch immer schnell eine Diskussion in Gang kommt. Wir freuen uns auf viele Stammtische, vielfältige Themen und gute Diskussionen.